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Achterbahnfahren als Mukoviszidose-Therapie?

Foto AchterbahnMit 5G durchschütteln lassen – kann das bei Mukoviszidose sekretlösend wirken? Stephan Kruip machte einen Selbstversuch und fuhr auf dem Münchner Oktoberfest 14 Tage lang täglich im Olympia-Fünferlooping. Hier weiterlesen...

Ich bin immer schon gerne Achterbahn gefahren. Als mir Prof. Helge Hebestreit von einer Veröffentlichung erzählte, die schilderte, dass Achterbahn-Fahren das Abhusten bei Mukoviszidose erleichtert, habe ich spontan entschieden, das auszuprobieren. Der Fünfer-Looping steht während des Oktoberfests sozusagen vor meiner Bürotür – was lag also „näher“?

Die Achterbahn und mögliche Wirkungen

Der Olympia-Looping der Fa. Barth (1) ist seit 1989 mit 1,25 km Schienen, 900t Gewicht und 350 kW Leistung die größte transportable Achterbahn der Welt, mit einer Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h und einer vertikalen Beschleunigung, die dem Fünffachen des eigenen Körpergewichts entspricht. Bereits 1989 wurde berichtet, dass eine 3G-Doppellooping-Achterbahn den Herzschlag innerhalb weniger Sekunden auf durchschnittlich 85 % der maximalen Herzfrequenz beschleunigt (2). Achterbahnen können außerdem Nierensteine in Bewegung bringen, Nebenhöhlen reinigen, und der Adrenalinschub erzeugt positive Energie und innere Erregung (3). Selbst Patienten mit schwerem Asthma empfinden nach einer Achterbahnfahrt verringerte Atemnot (4).

Wie ging der Selbstversuch aus?

Ich bin 14 Tage lang täglich Fünffach- Looping gefahren. Die Kombination von Adrenalin, Spaß, Schreien, Schütteln mit 5G und Herzrasen tat auf alle Fälle ihre Wirkung: Tatsächlich konnte ich direkt nach der Fahrt sehr gut abhusten. Subjektiv löste sich das Sekret in der Lunge viel leichter als sonst. Die tägliche Lungenfunktionsmessung mit einem kleinen mobilen FEV1-Messgerät ergab allerdings keine signifikante Veränderung. Das war über die kurze Zeit auch nicht zu erwarten. Leider zahlt die Krankenkasse das Vergnügen nicht. Aber wer Spaß am Achterbahn-Fahren hat, kann in Zukunft jederzeit seine Ticketinvestition unter Verweis auf mögliche positive Wirkung bei Mukoviszidose begründen. Schwerer betroffene Patienten sollten allerdings vorher ihren Arzt fragen, denn bei viel Sekret in der Lunge sind auch Blockaden von Lungenabschnitten (sog. Atelektasen) nicht ausgeschlossen. Zum Schluss einen herzlichen Dank an den Betreiber des Olympialoopings, der Firma R. Barth und Sohn KG für die Unterstützung meines Selbstversuchs!

Stephan Kruip, 53 Jahre, CF

(1) http://olympialooping.de

(2) S. D. Pringle, P. W. Macfarlane, and S. M. Cobbe: Response of heart rate to a roller coaster ride. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/ PMC1838817/?page=1

(3) Kate Taylor: Roller Coasters: Seven Wild Reasons That Thrill Rides Are Good For Your Body. https:// www.littlethings.com/health-benefits-rollercoasters/

(4) Rietveld S1, van Beest I.: Rollercoaster asthma: when positive emotional stress interferes with dyspnea perception. https://www.sciencedirect.com/science/ article/abs/pii/S0005796706001653

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Foto: Ethikrat Stephan Kruip am RednerpultStephan wurde 2016 in den 26-köpfigen Deutschen Ethikrat berufen (hier sein kurzes Vorstellungsvideo). 2018 hielt er Vorträge über Ethische Probleme von Menschen mit seltenen Erkrankungen und über Menschenwürde und Keimbahntherapie. Zum Weiterlesen: Infobrief des Deutschen Ethikrats.


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