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Sollte ich mich mit Astra-Zeneca impfen lassen?

Foto Corona-VirusDer AstraZeneca Impfstoff schützt zu 76% vor einer Corona-Infektion mit Symptomen, und zu 100% vor schweren Erkrankungen von COVID-19. Aber es gibt seltene Nebenwirkungen, die in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich beurteilt werden: Mitte März 2021 hielten 55 Prozent der Deutschen AstraZeneca für nicht sicher – während es in Großbritannien nur vier Prozent sind.(Foto: Paul McManus auf Pixabay).

Woher kommt diese Unsicherheit? Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI, Stand 29. März 2021) meldet nach 2,7 Millionen in Deutschland verimpften Dosen des AstraZeneca-Impfstoffes 31 Fälle von speziellen Hirnvenenthrombosen, 9 Menschen starben. Die Fälle traten im Alter von 20 bis 63 Jahren auf, bis auf zwei waren alle Frauen. Statistisch zufällig wären nur 2 Fällen zu erwarten, so dass man einen Zusammenhang zur Impfung vermuten kann. 

Das Thrombose-Risiko nach Impfung mit Astra-Zeneca liegt lt. Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) bei 1:100.000, das Sterberisiko kann anhand der vorliegenden Zahlen zwischen 1:250.000 und 1: 1 Mio abgeschätzt werden. Die EMA meldet bis April 2021 für Europa 169 Fälle von Hirnvenenthrombosen und 53 Fälle anderer Thrombosen bei rund 34 Millionen Impfungen mit AstraZeneca. Mit Stand vom 22.03.2021 berichtete die EMA von 18 Todesfällen bei rund 25 Millionen verabreichten Impfdosen. In Großbritannien (Stand 8. April 2021) wurden bei >20 Millionen AstraZeneca-Impfungen 79 Fälle von gefährlichen Blutgerinnseln verzeichnet, 19 Menschen sind verstorben. Die häufigeren Fälle von Thrombosen bei Frauen unter 55 Jahren sei "möglicherweise auf die verstärkte Anwendung des Impfstoffs in dieser Bevölkerungsgruppe zurückzuführen". Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sehen vorerst keine Altersbegrenzung vor. 

Aktualisierung Stand 07.05.2021: Für Deutschland meldet das Paul-Ehrlich-Institut 67 schwere Fälle von Thrombosen im Zusammenhang mit Astra-Zeneca-Impfungen, 14 Patienten (davon fünf Männer und neun Frauen) sind daran verstorben. Bei knapp 5,8 Millionen geimpften Bürgern ergibt sich ein Risiko für Thromboseerkrankungen nach einer Impfung von 0,0012 Prozent (entsprechend 1,2:100.000, also ohne grosse Abweichung zur oben genannten Angabe der EMA).

Das Risiko junger Menschen, schwer oder gar tödlich an Covid-19 zu erkranken, ist eher niedrig. Diese schöne Auswertung zeigt, dass nur für unter 30-jährige, für einen Zeitraum von vier Monaten und eine Inzidenz von 2:10.000 pro Tag (also eine 7-Tage Inzidenz von 140:100.000) gerechnet, die Impfung mit Astra-Zeneca gefährlicher als Covid-19 ist. Die Impfung reduziert demnach das Risiko für alle anderen Altersgruppen und bei Inzidenzen >400 auch für die unter 30-jährigen.

Die Virologin Prof. Ciesek weist darauf hin, dass der Nutzen weiterhin die Risiken einer Impfung mit AstraZeneca übersteige. "Der Impfstoff ist bei weitem sicherer als das Risiko einer Covid-19-Infektion“. Diese Schlussfolgerung gelte bei hohen Inzidenzzahlen sogar für jüngere Menschen, die ein relativ geringes Risiko für schwere Verläufe hätten. Bei 20- bis 30-Jährigen liege das Risiko, mit Covid-19 auf eine Intensivstation zu müssen, doppelt so hoch wie das Risiko einer ernsthaften Schädigung durch den Impfstoff. In der Altersgruppe zwischen 60 und 70 liege dieses Risiko mehr als 600 Mal höher.

Besonders für 50-60-Jährige kann eine baldige Impfung mit Astrazeneca eine gute Wahl sein. Kurz gesagt ist der Nutzen umso größer, je näher eine Person an dem Alter von 60 Jahren ist. Darüber hinaus fallen Vorerkrankungen ins Gewicht, die das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhen, sowie das Risiko, sich zu infizieren.

Der Immunologe Christian Bogda, Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt zu bedenken: "Es gibt noch sehr viele Menschen, die durch Covid-19 viel stärker gefährdet sind als die Menschen, die jetzt aus anderen Motiven zum Impfen gehen." Mit anderen Worten: Eine Menge junge Menschen, die sich nach ihrer Freiheit sehnen, lassen sich nun schnell impfen. Viele ältere Menschen, die vielleicht weit weg leben vom nächsten Impfzentrum oder aus anderen Gründen schwierig zu erreichen sind durch die Impfkampagne, sind aber nach wie vor ohne Schutz. Und da sind die epidemiologischen Modellrechnungen klar: Wird die Impfreihenfolge nicht eingehalten, können weniger Menschen vor dem Tod durch das Virus gerettet werden, als möglich wäre."

Dieser Text soll nicht das Gespräch mit dem Arzt ersetzen. Er will auch nicht für die Impfung mit Astrazeneca werben. Vielmehr ist er als Hilfestellung zu verstehen, anhand der vorliegenden Fakten zu einer autonomen, gut informierten Entscheidung zu gelangen.

Stephan Kruip (ohne Gewähr, Stand 12.05.2021) 

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Foto: Ethikrat Stephan Kruip am RednerpultStephan wurde 2016 in den 26-köpfigen Deutschen Ethikrat berufen (hier sein kurzes Vorstellungsvideo). 2018 hielt er Vorträge über Ethische Probleme von Menschen mit seltenen Erkrankungen und über Menschenwürde und Keimbahntherapie. Zum Weiterlesen: Infobrief des Deutschen Ethikrats. Seit der Wiederberufung 2020 beschäftigen wir uns vor allem mit der Corona-Pandemie, z.B. die Impf-Reihenfolge und besondere Regeln für Geimpfte? 


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