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Karl Jaspers

Gedanken über Mukoviszidose

Foto von Karl JaspersVon Kindheit an litt Jaspers an Bronchialproblemen (lt. Wikipedia an "angeborenen Bronchiektasen"), die seine körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigten und ihn anfällig für Infektionen machten. Ob Karl Jaspers Mukoviszidose hatte oder eine Erkrankung mit ähnlichen Symptomen, ist nicht entscheidend. Die Gedanken eines großen Philosophen über das Leben mit der Krankheit sind für Mukoviszidose-Betroffene "wie aus der Seele geschrieben".

Jaspers´ Symptome

Eitrig-muzinöse Sekretion der Bronchien, täglich eine Menge von 30 bis 50 ccm, gelb, mit einem Stich ins Grüne, manchmal blutig. Mißverhältnis des Röntgenbefundes (massenhafte kleine punktförmige Verdichtungen), und der beträchtlichen Sekretionsmengen. Die Bronchiektasen sind auf allen Lappen verbreitet, als solche kaum erkennbar und daher durchaus verschieden von den Bronchiektasen, die man lokalisieren und gar operieren kann. Es muß sich um eine konstitutionelle Anlage der gesamten Lungen handeln. Der Verdauungsapparat verträgt nur leichte Kost, es besteht Neigung zu beschleunigtem Stuhlgang. Herz leistungsunfähig. Leicht zyanotisch verfärbte Lippen, Nägel und Haut. Endphalangen der Finger verdickt.

Jaspers über Physiotherapie

Freankel stellte 1901 den entscheidenden Grundsatz auf: Für Entleerung der Bronchien sorgen. Zu dem Zweck wurden morgens unter das Bett am Fußende zwei Holzklötze gelegt, sodaß das Bett schief stand. Man muß langsam tief einatmen, dann mit kräftigem nachschiebendem Druck der Brustmuskeln stoßweise ausatmen. Durch Wiederholung dieser Prozedur wird das noch spärliche Sekret gleichsam herausgepumpt. Erst durch dieses Verfahren wird die Sekretion in Gang gebracht, gelöst, in Bewegung gesetzt.

Über den Tag verteilt sich die planmäßige Expektoration durchschnittlich auf folgende Weise: Stärkere Sekretionen bald nach dem Frühstück, dann einmal im Laufe des Vormittags, dann die größte während der Bettruhe nach dem Mittagessen, dann einmal im Laufe des späten Nachmittags. Kurze, schnelle Expektorationen, besonders abends nach dem Essen. Wenn diese gelingen, so daß ich mit reinen Bronchien ins Bett gehe, findet nachts keine Sekretion und kein Husten statt.

Jaspers über das Verhältnis von Arzt und Patient

Der chronisch Kranke kann die Erfahrung machen, daß ein Arzt feindselig wird, wenn ihm Widerstand gegen seine Schemata fühlbar wird, wenn er Rede und Antwort stehen soll für das, was er in der Tat gedankenlos verordnet. Der Kranke muß sich sagen, wenn er diese Feindseligkeit vermeiden und doch seinen Arzt behalten will: Ich muß meinen Arzt, nicht nur er mich behandeln.

Ein freundlich gesinnter Durchschnittsarzt behandelte Jaspers 1906 so: Meinen Zustand und die Herzerscheinungen erklärte er als Nervosität. Die Schrumpfungen hält er für tuberkulös. Schlaffheit der gesamten Gewebe. Gegen Bronchitis verordnet er Terpentinöl.

Leben mit der Krankheit:

Der Patient muß, um der Krankheit Herr zu werden, die Krankheit in sein Leben einbeziehen. Er muß sie als Tatbestand annehmen, in seine Pläne und Berechnungen eingliedern, um im bleibenden Raum des Möglichen zu leisten, was er kann. Es bleibt ein lebenslanges Suchen des Weges. Preisgegebensein an unvorausgesehenes Kranksein, Versinken in Krankheit, Unscharfwerden der Unterscheidung von gesund und krank, übermütiges Vergessen des Krankseins sind die Gefahren, denen man erliegt. Diese Erkrankung, die nicht, wie etwa die Verstümmelung eines Gliedes, die mechanische Behinderung durch einen einzelnen Defekt zur Folge hat, sondern in den Lebensprozeß selbst eingreift, ihn konstitutionell schwächend, steht nicht als ein klar Begrenztes der Persönlichkeit gegenüber.

Jaspers´ Grundsituation

Um gesund zu sein, muß ich wirklich leben; die Lebensverwirklichung aber macht in den meisten ihrer Gestalten mich krank. Öffentlich konnte ich jeweils nur eine Stunde auftreten. Jede in die Länge gestreckte Situation läßt mich gleichsam verschwinden.

Die Wahl: Es handelt sich um die Entscheidung: entweder für die Krankheit zu leben und alles im Leben so einzurichten, daß das Maximum an physischer Gesundheit erreicht wird - oder der Krankheit zwar durch Behandlung nach Möglichkeit Herr zu werden, so aber, daß sie den Vorrang hat - oder aber in bezug auf die Gesundheit auch Risiken einzugehen und Einbußen in Kauf zu nehmen. Hypochondrische Fesselung der Aufmerksamkeit durch die Krankheit wäre ebenso töricht wie übermütgies Vergessen der Krankheit.

Nachdenken

Meiner Krankheit ganz alleine verdanke ich es, daß ich wenigstens ein wenig zum Nachdenken gebracht wurde, ohne dieselbe wäre ich ein dummer Esel. Die Krankheit erweckt aus den sonst fraglosen Selbstverständlichkeiten. Sie fordert ein Leben unter Ausnahmebedingungen.

Jaspers über Sport

Mit vierzehn Jahren bekam ich von meinem Vater ein Zweirad geschenkt. Das Zweirad war damals aufgekommen, war aber doch noch teuer und ein Vergnügen für Wohlhabende. Auf dem Kasernenplatz lernte ich in wenigen Minuten das Radfahren. Nachmittags nach der Schule fuhren wir in Gegenden, wo ich früher noch nie gewesen war. Dabei wurde allerlei Kurzweil getrieben. So flogen wir, ohne die Lenkstange zu halten, in der bald erworbenen Sicherheit über die glatte Bahn, eine Tüte mit einem Pfung Kirschen in der Hand, deren Kerne in großem Bogen auf die Straße gespuckt wurden.

Leistung

Eine Welt, in der lückenlos der Mensch nur nach allgemeinen und typischen Leistungsfähigkeiten und mechanisierten Einordnungen zugelassen wird, hat für den Kranken keinen Raum. Denn es ist unmöglich, dem Kranken feste Lebensordnungen als Verwirklichung kranken Lebens darzubieten. Er muß im Raum der Gesunden als noch Gesunder mit seinen gesunden Möglichkeiten sich einen Platz erwerben können. Gesunde können Kranke nicht verstehen. Unwillkürlich beurteilen sie die Kranken in ihrer Lebensführung, ihrem Verhalten und ihren Leistungen so, als wenn sie auch gesund wären. Sie verstehen nicht, was die eigentlichen Leistungen sind im Kampfe mit der Schwäche. Sie achten diese Leistungen nicht, da sie dieselben nicht kennen.

Zitate aus: Karl Jaspers: Schicksal und Wille.
Autobiographische Schriften, R. Piper Verlag München 1967
(das Buch ist vergriffen, aber manchmal gebraucht auf amazon erhältlich)

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