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Manukahonig

Was ist dran an der Wunderwirkung von Manukahonig?

Foto von Manukahonig"CF Manuka" liefert in Google 360.000 Treffer, und die Heilwirkung dieses Honigs der Südsee-Myrte (Foto) begegnet uns regelmäßig im Fernsehen und in der Presse. Ich bin dem Thema auf den Grund gegangen: Was ist dran an der Wunderwirkung von Manukahonig?

Chemisch betrachtet ist Honig nichts anderes als eine übersättigte Lösung aus rund 80 Prozent Zucker und 20 Prozent Wasser. Dazu kommen Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe, manchmal auch Antibiotika.

Wenn die Bienen sich aber vom Nektar der Südsee-Myrte (Foto) in Neuseeland und Australien ernähren, entsteht Manuka-Honig, der bis zu 100mal mehr Methylglyoxal (auch MGO) enthält als normaler Honig. Ob das von den Pflanzen oder den Bienen stammt, ist ungeklärt. Aber jetzt kommt's: MGO tötet Bakterien, z.B. den Staphylococcus aureus, wie die Universität Dresden 2006 herausgefunden hat. Die Universität Ottawa zeigte sogar, dass Honig im Labor auch Biofilme aus Staph. aureus und Pseudomonas aeroginosa attackiert und dabei mehr Bakterien abtötet als Antibiotika!

Die Konzentration an MGO im Honig variiert zwischen 20 bis 800 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) und ist ein besseres Maß für die antibakterielle Wirkung als der "Unique Manuka Factor" UMF (zwischen 5 und 25), der lediglich aus Vergleichsmessungen der Wirkung gewonnen wird. Beim Kauf von Manukahonig sollte auf diese Werte geachtet werden, und der Preis variiert entsprechend und reicht bis zu 240 €/kg.

Zur Behandlung von offenen Wunden wird Honig seit langem genutzt, obwohl seine Anwendung umstritten ist: Die Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. rät z.B. in einer Leitlinie von der Verwendung ab, weil MGO Schmerzen verursache. Aber klinische Studien zur Behandlung chronischer Wunden haben durchaus Erfolg gezeigt. Honig aus dem Lebensmittelladen eignet sich jedoch nicht zur Wundbehandlung. Dafür benötigt man sog. "Medihoney", also medizinischen Honig, der mittels Gammastrahlung keimfrei gemacht wurde und mittels Zugabe von Wachs zur Salbe wird.

Kann Manukahonig auch den Pseudomonas in der Lunge angreifen?

Das wäre faszinierend, und es ist kein Wunder, dass die Internetforen von entsprechenden Beiträgen überlaufen. Die Verkäufer des Honigs versprechen alles, um das teure Zeug zu verkaufen: "Manukahonig scheint die Häufigkeit von Infekten, Husten und Erkältungen bei Mukoviszidose zu reduzieren. Nehmen Sie dreimal am Tag einen Teelöffel Manukahonig...". Auf diese Weise wirkt der Honig aber nur im Hals, der Speiseröhre und vielleicht noch im Magen, das MGO erreicht nicht den Schleim in der Lunge und kann dort also kaum wirken, wie auch CF-Patient und Heilpraktiker Stefan Strassaker (www.cysticus.de) bestätigt. Der Expertenrat ECORN-CF 2012 kommt zum gleichen Ergebnis: "Ob der Honig bei der chronischen Besiedlung und Infektion der Lunge eine Rolle spielen könnte, ist nicht bekannt. Daher lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage für eine Wirkung des Manuka-Honigs bei CF-Patienten treffen."

Wie wär's mit Honig-Inhalation?

Heilpraktiker sind da schnell dabei: "Zur Honig-Inhalation 200 g Honig in einem Liter warmen Wasser auflösen, 10 Min. die Dämpfe einatmen (zweimal täglich)". Oder wie eine Nasendusche benutzen: "Kleines Sprühfläschen zu drei Vierteln mit Wasser füllen, den Rest mit Manukahonig auffüllen und ganz gut schütteln. Du wirst merken wie es dir das Sekret aus der Nase und den Nebenhöhlen zieht." Aber kann man das wirklich empfehlen? Unbehandelter Honig kann Keime enthalten, und der Medihonig ist nur zur Wundbehandlung geeignet, denn er enthält 20% Wachs, das in der Lunge nichts verloren hat. Von Selbstversuchen ist hier also abzuraten. Deshalb mein Vorschlag für ein Forschungsprojekt: Die Herstellung eines inhalierbaren medizinischen Honigs mit hohem MGO-Gehalt und die Beobachtung der Sicherheit und evtl. der Wirkung nach Inhalation durch CF-Patienten.

Stephan Kruip (2. stellvertr. Bundesvorsitzender des Mukoviszidose e.V.)

(Quellen- und Literaturangaben beim Verfasser)

Der Artikel erschien zuerst in muko.info Ausgabe 4/2013

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