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Steinzeit

Lernen von unseren steinzeitlichen Vorfahren

Die Steinzeit steckt uns in den Knochen

Unsere Gene sind für das steinzeitliche Leben als Jäger und Sammler "programmiert". Die Evolutionsmedizin erklärt, warum Bewegung, Sport und Fitness ein entscheidender Überlebensvorteil ist, gerade auch für Mukoviszidose-Patienten.

Über Jahrmillionen hat sich der Mensch entwickelt und dabei seine Gene immer besser an die Lebensumstände angepasst. Das hat ganz gut geklappt, wie die Ausbreitung des Menschen über die Erde beweist. Erst seit ca. 10.000 Jahren - für genetische Veränderungen ist das ein Wimpernschlag im Vergleich zu den Millionen von Jahren der Anpassung - änderte der Mensch plötzlich sein Leben: Er fing an, Tiere zu halten und deren Milch zu trinken, Getreide anzubauen. Und in den letzten 100 Jahren ändert er sein Leben noch viel drastischer: Er ersetzt Muskelkraft durch Maschinen - bis hin zur elektrisch betriebenen Pfeffermühle, und er bewegt sich kaum noch selbst. Ein steinzeitlicher Mensch hat ca. 10 km am Tag zu Fuß zurückgelegt, der "moderne" Mensch bringt es im Durchschnitt noch auf 400 m, Aufzüge und Rolltreppen verhindern jede Anstrengung. Und die Nahrung wird nicht gejagt, sondern aus dem Regal genommen. Sie enthält Kohlehydrate in Mengen und Konzentration, wie sie der steinzeitliche Mensch niemals erreichen konnte. Diese Veränderungen bei der Nahrungsaufnahme und der Bewegung verursachen die Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Krebs, weil die Gene sich an diese rasanten Veränderungen nicht anpassen konnten.

Warum ich das hier schreibe?

Nun, als Mukoviszidose-Patienten leben wir vor allem mit einem Stoffwechselproblem bei der Verdauung und einem Entzündungsproblem in der Lunge. Durch Physiotherapie und Medikamente lassen sich die Symptome inzwischen ganz gut behandeln, so dass wir aus Sicht eines Steinzeitmenschen mit 40 Jahren eine normale Lebenserwartung haben. Ich behaupte aber: Wenn wir uns darauf besinnen, für welches Verhalten der Mensch optimiert ist, können wir noch länger leben.

Die Wissenschaft ist diesem Phänomen auf der Spur: Bewegung aktiviert im Körper bestimmte Gene, die sonst abgeschaltet bleiben. Der bei CF veränderte Spannungsunterschied an der Zellmembran wird durch anstrengenden Sport normalisiert. Immunsystem und Konzentrationsfähigkeit steigen mit körperlicher Aktivität an, das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck sinkt. Die persönliche Fitness ist sogar ein unabhängiger Vorhersagefaktor für das Überleben: Unter 1300 finnischen Männern war das Risiko, innerhalb von 12 Jahren zu sterben, bei mangelnder Fitness vierfach erhöht, mehr als bei Rauchern und Diabetikern! Interessant wäre, ob bei CF meine Fitness evtl. auch wichtiger für das Überleben ist als meine Lungenfunktion? Dr. Roland Dopfer sagt jedenfalls aus seiner Erfahrung in der Rehabilitation der CF: "Sport ist ganz entscheidend wichtiger als Medikamente".

Was also tun?

Wir können jede Möglichkeit der Bewegung auf dem Weg zur Arbeit nutzen, und das Joggen anfangen. Schalten wir unsere angeborenen Fähigkeiten und Gene zum Laufen ein, indem wir einfach loslaufen. Unser Körper hat nicht vergessen, wie das geht - das merken wir spätestens, wenn wir ein paar Monate gelaufen sind: Wir fühlen uns wohl beim und nach dem Laufen. Evolutionsmedizin bedeutet aber weder „zurück in die Steinzeit“ noch setzt sie auf Öko. Es geht vielmehr darum, zu erkennen, warum wir Menschen uns so entwickelt haben und was wir tun müssen, um unsere Gesundheit zu erhalten. Eigenverantwortlichkeit des Patienten ist dabei das Credo der Evolutionsmediziner - nicht der erhobene Zeigefinger.

Stephan Kruip (Bundesvorsitzender des Mukoviszidose e.V.)

(zuerst veröffentlicht in muko.info 3/2013)

Zum Weiterlesen: Detlev Ganten u.a.: "Die Steinzeit steckt uns in den Knochen - Gesundheit als Erbe der Evolution".- Piper-Verlag ISBN 978-3-492-26398-6 für 9,99€ Prof. Dr. Detlev Ganten war von 2004 bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Sein Buch ist unterhaltsam und leicht verständlich.

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Foto: Ethikrat Stephan Kruip am RednerpultStephan wurde 2016 in den 26-köpfigen Deutschen Ethikrat berufen (hier sein kurzes Vorstellungsvideo). 2018 hielt er Vorträge über Ethische Probleme von Menschen mit seltenen Erkrankungen und über Menschenwürde und Keimbahntherapie. Zum Weiterlesen: Infobrief des Deutschen Ethikrats.


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