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Silberinhalation

Inhalation von kolloidalem Silber?

Unbekanntes Risiko bei langfristiger Anwendung

kolloidales Silber im DunkelfeldmikroskopSilber ist seit der Antike bei Infektionen verwendet worden – es tötet Bakterien und ist für Säugetiere kaum giftig. Weil Silber sich im Körper ansammelt, birgt dauerhaftes Schlucken oder Inhalieren trotzdem ein unbekanntes Risiko.

Kolloidales Silber (kolloidal von griechisch kólla, „Leim“ und eidos, „Aussehen“) ist eine flüssige Dispersion mit Silber-Nanopartikeln in der Größe zwischen 1 und 100 nm (Foto: Kolloidales Silber im Dunkelfeldmikroskop). Die Wirkung auf Bakterien beruht auf gelösten Silber-Ionen, die von diesen Partikeln abgegeben werden und direkt auf die Mitochondrien in der Bakterienzelle wirken. Im Labor lässt sich nachweisen, dass Silber-Ionen auch die Bildung von Biofilmen von Pseudomonas aeruginosa unterdrücken können.

Der Körper speichert Silber

Eingeatmete oder geschluckte Silberpartikel wandern ins Blut und verteilen sich nach einiger Zeit überall im Körper. Eingenommenes Silber wird im Magen-Darm- Trakt aufgenommen und in verschiedenen Organen und der Haut abgelagert. Der Körper kann nur einen Teil über den Urin wieder ausscheiden. In der Schulmedizin verwendet man Silber deshalb überwiegend äußerlich z. B. zur Wundheilung nach Verbrennungen oder innerlich nur als Notfallarznei mit dem Warnhinweis „nicht zum Dauergebrauch bestimmt“. In der Alternativmedizin gibt es einen erbitterten Streit über die richtige Herstellung und Konzentration der Partikel – die empfohlenen Konzentrationen zur Inhalation liegen meist bei 5-10 ppm (ppm = parts per million=Teilchen pro Mio. Wasserteilchen), aber es gibt auch Kolloide mit dem 1.000-fachen – nach dem Prinzip „viel hilft viel“.

Silber inhalieren bei CF?

Zur Anwendung bei Mukoviszidose stehen nur wenige Daten aus Versuchen im Labor (in vitro) oder am Menschen (in vivo) zur Verfügung: Bei Mäusen führte die Inhalation zur Reduzierung der Pseudomonas- Keime, aber eben auch zur dauerhaften Ansammlung von Silber-Nanopartikeln in der Lunge, mit Nebenwirkungen wie Entzündung, reduzierter Lungenfunktion und anderen Problemen. Einzelne CF-Patienten inhalieren trotzdem kolloidales Silber und berichten in den sozialen Medien auch von subjektiven Verbesserungen. Nach Einnahme von kolloidalem Silber wurde in Einzelfällen über erstaunliche Wirkungen berichtet (3).

Über die Sicherheit bei langfristiger Anwendung ist aber bislang nichts bekannt, außer dass bei einem 11-jährigen Jungen mit Mukoviszidose die Einlagerung von Silber zur Verfärbung der Haut führte, der gefürchteten Argyrie (3). Weiterhin ist bekannt, dass Bakterien auch Resistenzen gegen Silber entwickeln können. Prof. Dr. Helmut Ellemunter, erfahrener CF-Ambulanzleiter aus Insbruck kam 2009 im CF-Expertenrat zu folgendem Schluss: „Biologische Auswirkungen und mögliche Gefährdungen können nicht abgeschätzt werden. Für die klinische Anwendung besteht derzeit keine Grundlage.“ Selbst eine Anwendung „als letzten Ausweg“ bei schwer kranken Patienten sollte mit dem Arzt besprochen werden. Für die Forschung bleibt Silber sicherlich eine interessante Substanz, die evtl. in Zukunft die Wirkung von Antibiotika vervielfachen könnte (4).

Stephan Kruip (*1965, CF)

Der Artikel erschien zuerst in muko.info 1/2016

Zum Weiterlesen im Internet:

(1) Using Colloidal Silver With a Nebulizer (interessante Zusammenfassung eines Herstellers auf Englisch)

(2) Neutrale Information über kolloidales Silber auf Psiram auf Deutsch 

(3) J R Soc Med. 2008 Jul 1; 101(Suppl 1): 51–52. 

(4) Antimicrob Agents Chemother. 2014 Oct;58(10):5818-30 

(5) Aufsatz „Colloidal Silver and Cystic Fibrosis“ von Steve Barwick, Naturheilkunde- Buchautor in USA.

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Foto: Ethikrat Stephan Kruip am RednerpultStephan wurde 2016 in den 26-köpfigen Deutschen Ethikrat berufen (hier sein kurzes Vorstellungsvideo). 2018 hielt er Vorträge über Ethische Probleme von Menschen mit seltenen Erkrankungen und über Menschenwürde und Keimbahntherapie. Zum Weiterlesen: Infobrief des Deutschen Ethikrats.


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