Familie Kruip und Infos zur Mukoviszidose

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„von Frau zu Frau“: Wenn Redakteure nichts verstanden haben

Wir wenden uns aufs Schärfste gegen die abwegige und unsinnige Formulierung, Mukoviszidose sei „eine häufige Folgekrankheit bei Kindern, die durch Inzest entstehen“. Mit dem Artikel „Warum sind Inzest-Kinder so oft krank“ erweckt die Zeitschrift „von Frau zu Frau“ in der Ausgabe 1, 20.01.2020 einen verheerenden falschen Eindruck und setzt Familien mit Mukoviszidose-Kindern einem ungeheuerlichen Generalverdacht aus.

Unbestreitbar ist, dass die genetischen Risiken für Kinder aus Inzestbeziehungen erhöht sind. Aber: Mukoviszidose tritt auf, wenn beide Eltern Merkmalsträger der genetischen Veränderung sind, in Deutschland sind das ca. 5% der Bevölkerung. Die ca. 200 Kinder, die in Deutschland pro Jahr mit Mukoviszidose zur Welt kommen, gedanklich mit Inzest in Verbindung zu bringen, ist völlig abwegig - die Behauptung folgt dem Schema: Der Aufenthalt im Weltraum erhöht nachweislich das Krebsrisiko (richtig). Behauptung: Krebs ist eine häufige Folgekrankheit bei Menschen, die sich im Weltall aufgehalten haben. Das ist falsch, denn die Ursachen für Krebs sind fast ausschließlich auf der Erde zu finden, die Astronauten spielen zahlenmäßig bei den Krebserkrankten überhaupt keine Rolle. Genauso spielt Inzest bei der Entstehung von Mukoviszidose zahlenmäßig überhaupt keine Rolle. Bei der Mukoviszidose haben wir grob geschätzt 3-4 Millionen gesunde und meist nichtsahnende Merkmalsträger in Deutschland, so dass weit über 99% aller Kinder mit Mukoviszidose NICHT aus einer nahen Blutsverwandtschaft der Eltern hervorgehen. In Kulturkreisen, in denen Blutsverwandten-Ehen üblich sind, ist die Mukoviszidose im Übrigen viel seltener als in Deutschland.

Die Botschaft Ihres Artikels ist aber auch aus anderen Gründen kritikwürdig, denn es wird der Eindruck erweckt, als ob Inzest-Beziehungen aus Gründen der Gesundheit der Bevölkerung zu verbieten wären. Auch das ist falsch. Der Deutsche Ethikrat hat sich in seiner Stellungnahme „Inzestverbot“ schon 2014 gegen die Strafbarkeit von Inzest nach § 173 StGB ausgesprochen: „Der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung als Verbotsgrund hätte zur Folge, dass auch anderen Paaren, die von ihrer erblichen Belastung wissen, die Fortpflanzung strafrechtlich verboten werden müsste. Dieser Gedanke sei jedoch in einer Gesellschaft, in der reproduktive Entscheidungen unverrückbar in den höchst persönlichen Verantwortungsbereich der Eltern fallen, auf das Schärfste abzulehnen. Dies hat auch die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik in einer Stellungnahme zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts kritisch angemerkt und als Beispiel die relativ häufige erblich bedingte Veranlagung für Mukoviszidose angeführt:. Das Argument, es müsse in Partnerschaften, deren Kinder ein erhöhtes Risiko für rezessiv erbliche Krankheiten haben, einer Fortpflanzung entgegengewirkt werden, ist ein Angriff auf die reproduktive Freiheit aller.“

Falls Sie diese Stellungnahme ggü. dem Verlag unterstützen möchten, senden Sie bitte den Link dieser Seite an Alles Gute Verlag GmbH, Großer Winkel 6, 38442 Wolfsburg, Geschäftsführer Jörg Scharffetter und Bodo Scharffetter, E-Mail: info@allesguteverlag.de

Stephan Kruip
Vorsitzender des Mukoviszidose e.V.
Mitglied im Deutschen Ethikrat

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Foto: Ethikrat Stephan Kruip am RednerpultStephan wurde 2016 in den 26-köpfigen Deutschen Ethikrat berufen (hier sein kurzes Vorstellungsvideo). 2018 hielt er Vorträge über Ethische Probleme von Menschen mit seltenen Erkrankungen und über Menschenwürde und Keimbahntherapie. Zum Weiterlesen: Infobrief des Deutschen Ethikrats.


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